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HERZLICH WILLKOMMEN!

Vorab:

Ich verwende auf diesem Blog generell das Du als Anrede für meine Leserinnen und Leser.  Das hat nichts mit mangelndem Respekt oder plumper Vertraulichkeit zu tun. Es erleichtert mir das Schreiben auf Augenhöhe, denn ich bin einer von Euch. Kein Ausnahmeathlet, kein Topläufer. Einfach nur einer, der Spaß an Bewegung hat. Meistens jedenfalls.  Ich freue mich, dass ihr euch hierher geklickt habt. Ich laufe für mich und schreibe für Euch.  Viel Spaß.

 

Kontakt: maigo.kraemer(at)web.de 

Neuer Beitragstitel

Veröffentlicht am 24.12.2018

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NCT-Lauf in Heidelberg! Laufen gegen den Krebs!

Veröffentlicht am 14.07.2018

Monis erste Startnummer in ihrem Leben! Sie ist am 13.07.2018 mit mir und mit 5100 weiteren Teilnehmern im Neuenheimer Feld eine Runde gewalkt. Die Strecke führte an der Kopfklinik vorbei, in der sie im Januar 2014 im Koma lag. Die Ärzte gaben ihr eine Überlebenschance von 2%. Nun marschierte sie dort lächelnd vorbei! Meine Moni! Ich liebe Dich und ich bin stolz auf Dich!

 

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Globus-Spendenlauf ein voller Erfolg!

Veröffentlicht am 14.07.2018
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Globus Grünstadt: Invasion der Marathonne!

Veröffentlicht am 17.03.2018

In bester Gesellschaft mit den Runner's World-Büchern wartet mein Buch auf die Pfälzer Leseratten. Immerhin stammt die Illustration auf dem Cover von dem bekannten 100% Pälzer-Schöpfer, Verleger und Cartoonist Steffen Boiselle aus Neustadt an der Weinstraße.

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Buchpremiere in Lampertheim!

Veröffentlicht am 12.03.2018

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"Die Marathonne" Jetzt lieferbar! Gleich hier bestellen!

Veröffentlicht am 28.02.2018
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Demnächst: "Die Marathonne" als E-Book und als Taschenbuch!

Veröffentlicht am 11.02.2018

Meine Reportagen und Kolumnen aus Runner's World, dem größten Laufmagazin der Welt. Erstmals in Buchform. Band 1, von 1999 - 2000. Vom 95 kg Mann zum Ultraläufer. Freude - Frust - Dramatik. Ein Buch vom Laufen und vom Leben. ca. 284 Seiten, 12,- Euro, TWENTYSIX. Erscheint vorrausichtlich im März 2018.

 

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Die erste Kolumne 2018!

Veröffentlicht am 09.01.2018

Allen Besuchern dieser Seite wünsche ich ein gesundes und erfolgreiches 2018!

 

Ketsch - Brühl - Antwerpen

 

So sagen die Kurpfälzer gerne, wenn etwas recht umständlich vonstatten geht oder eine Bahnverbindung von hinten durch die Brust ins Auge  ans Ziel führt.

Zum Jahresende hin habe ich es aber (beinahe) geschafft, diese Reise selbst zu unternehmen. Zwar nicht ganz (aber fast) von Ketsch aus, nämlich vom Mannheimer Rheinkai, fuhr ich mit der MS Bellriva, der Vorlage für die „Stephanie de Beauhernais“ aus meinem aktuellen Krimi rheinabwärts über Köln, Nijmegen, Antwerpen und Amsterdam anlässlich der Silvesterreise 2017. Zwei Tage vor dem Jahreswechsel lag das Schiff Stadtnah am Kattendijkdock. Bis zum abendlichen Galadinner war es noch etwas Zeit, so dass ich meine Laufschuhe schnürte, eine der auf dieser Reise seltenen Regenpausen ausnutzte, um einen kleinen Lauf entlang der Scheldepromenade zu machen. Ich liebe es, in fremden Revieren zu laufen. Naturgemäß besteht hier jedoch eine erhöhte Verlaufgefahr. Die Devise lautete daher: vier Kilometer immer an der Schelde entlang, Kehrtwende und vier Kilometer retour. Macht acht und ich hätte noch genügend Zeit um frisch geduscht, rasiert und entspannt mit der besten aller Ehefrauen zu Tische zu schreiten.

Hätte - hätte - Fahrradkette …

Entlang der heimelig leuchtenden Fenster der Flußkreuzfahrtschiffe, die hier vertäut waren und kopfschüttelnd beäugt von Lambswool-Pulli-Trägern, die in deren Salons Tee, Kaffee und andere anregende Getränke genossen suchte ich mir meinen Weg. Das weithin sichtbare Riesenrad war meine Landmarke. Dort befand sich auch ein urgemütlicher Weihnachts- bzw. Silvestermarkt. Den hatte ich mit Moni am Mittag besucht und belgische Waffeln, Vlaamse Fritten und belgische Schokolade verschlung… äh verkostet. Deshalb muss es nun auch ein Lauf sein. Als Bewohner eines Landes, in welchem Fahrradfahrer als jagdbares Wild und lästiges Übel gelten, musste ich mich zunächst an die allgegenwärtigen Fahrradautobahnen und Schnellwege gewöhnen, auf denen die Radler selbstbewusst und in Scharen unterwegs waren. In disziplinierten Scharen! Es ist eine wahre Pracht, wie Belgier und Niederländer das Fahrrad in den allgemeinen Verkehr integriert haben. Die deutschen kreisverkehrsbesessenen und autohörigen Verkehrsplaner sollten alle ein Semester gesunden Menschenverstand in den Frittenländern studieren. Es ist möglich. Man muss es nur wollen.

Ein stämmiger Läufer aus Schland begriff auch erst nach der fünften klingelnden und eleganten Umkurvung, dass er hier wohl der Pylon auf einer zweispurigen Express-Radstrecke war. Ups! Ab nach rechts, wo für die Spaziergänger reserviert war.

Nun, nach relativ rascher Akklimatisierung lief es. Wortwörtlich. Viele Gleichgesinnte joggten, trabten und rannten die gleiche Strecke. Fast wie auf dem Santa Monica Boulevard. Bloß kälter. Und windiger. Und nasser. Die Regengüsse des Tages hatten zahlreiche Pfützen hinterlassen und von der Schelde her trieben dunstige Schwaden in die Stadt. Noch etwas fiel mir auf: man grüßt sich. Männlein und Weiblein! Niemand hat Angst, dass ein freundliches Lächeln einer Einladung zum Beischlaf gleichkommt. Kein 5.30 Läufer ist sich zu fein, einem gemütlichen fast 7.00 Veteranen fröhlich zuzuwinken. Ich glaub’ ich wandere aus. Rechts das dunkle Schimmern der Schelde, links die weihnachtlich beleuchtete Altstadt Antwerpens mit dem mächtigen Kirchturm und den illuminierten Gassen und Straßen. Antwerpen ist mehr als nur einer der größten Häfen Europas. Mit dem wohl bekannten Kribbeln im Bauch, das sich bei Läufen in der Fremde immer bei mir einstellt, laufe ich mit einem lächeln im Gesicht immer weiter. Das Riesenrad bleibt zurück, die urbane Kulisse lockert sich auf. Baulücken, Neubauten, freie Flächen und schließlich ist die Promenade bloß noch ein ganz normaler Bürgersteig. Allerdings immer noch säuberlich aufgeteilt in Radler und Fußlerbereich. Als es zum vierten mal an meinem Handgelenk piept, drehe ich auf den Hacken um und visiere wieder meinen ganz persönlichen kreisrunden Wegweiser, das Riesenrad an. Nach einer Viertelstunde erreiche ich wieder die Stadt. An einer belebten Kreuzung warte ich zusammen mit anderen auf das Grün der Fußgängerampel. Alle stehen brav. Soll ich …? Lieber nicht. So wie sich die meisten hier verhalten, wird das überqueren bei Rot sicher mit Zuchthaus bestraft. Oder mit Frittenschnippeln im Akkord. Oder so. Ich bemerke ein Schild: „Sint Annatunnel“. Es weist nach links in die Stadt. Dort ist auch gerade Grün. Ich entscheide mich blitzschnell. Pauline, die Tochter einer Mitreisenden, hat mir von diesem Tunnel vorgeschwärmt. „Den musst du dir unbedingt ansehen! Das ist ein Klasse Krimi-Ort! Hölzerne Rolltreppen führen dreißig Meter in die Tiefe und dort geht es dann auf fast 600 Metern Länge unter der Schelde durch.“

Sie hat mir auch erklärt wo der Einstieg zu finden ist. Das Einstiegsbauwerk auf der City-Seite sieht aus wie eine Mischung aus Stalin-Mietshaus und einem Trafohaus in Gotham City. Neugierig bremse ich schnaufend ab. Und begehe den Fehler, den ich immer begehe: „Nur mol gugge …“

Als ich die Eingangshalle betrete empfängt mich der typische Geruch von altem Schmierfett und das stete ranplan-plan, ranplan-plan, ranplan-plan der Rolltreppen. Sie sind tatsächlich zum großen Teil aus Holz. In zwei Zügen führen sie über ein Zwischengeschoß in die Tiefe. Das Geräusch, die Eisengitter, der Geruch nach uralter Technik … Auf mich wirkt das wie der Eingang in das Reich der Morlocks. Ich. Muss. Da. Runter! (Nur mol gugge!) Staunend gehe ich auf der abwärts rollenden Stiege weiter. Radfahrer können einen knarrenden Lastenaufzug nutzen, dessen Tore scheppern wie überdimensionale Zellentüren. Steampunk pur! Unten angekommen, klopft mein Herz angesichts der sich in der Ferne verlierenden hell gekachelten Röhre. 572 m lang misst die geradlinige Strecke. Ein Läufer trabt heran, grüßt mich lässig und fährt nach oben. Weit hinten läuft noch eine Frau. Toll! Laufen unter Wasser! Ohne mein Zutun setzt sich mein Körper in Bewegung. Was für ein geiler Lauf! Okay, GPS hat’s hier unten nicht, aber wer braucht das schon, wenn er im Reich der Zwerge seinen ganz persönlichen Schatzzzzzz gefunden hat. Ich disponier um. Ich werde einfach am linken Ufer, das hier recht fantasielos aber zutreffend Linkeroever heißt wieder ans Tageslicht bzw. in die Abenddunkelheit kommen, dort bis zur nächsten Brücke laufen und dann von der anderen Seite her wieder zur Anlegestelle der Bellriva finden. Den Stadtplan habe ich von heut mittag her noch im Kopf, wo ich ihn mir genau angeschaut habe. Kann höchstens sein, dass aus dem geplanten Achter ein Zehner wird. So what? Begeistert über diese ungewohnte Streckenvariante setze ich nach weiteren zwei knarrenden und rumpelnden Rolltreppen meinen Weg fort. Meine Polaruhr piepst erleichtert. Sie kann die Sterne wieder sehen. Ich laufe. Und laufe. Und laufe … hier ist es ruhig. Weite Grünflächen säumen das Scheldeufer. Auf der breiten Straße sind nur wenige Autos unterwegs. Der Fußweg liegt etwas abseits vom Ufer. Ich halte Ausschau nach der Brücke. Die müsste doch längst … Drüben wandern die Hochhäuser vorbei, hinter denen sich das Kattendijkdock befindet, an welchem mein Schiff liegt. Weiter geht es . Immer weiter. Die Uhr zeigt drei Kilometer seit dem Ausstieg aus dem Hades. Immer noch keine Brücke in Sicht. Ich nehme einen Abzweig in Richtung Ufer. Der Weg führt hinauf auf einen Deich. Von hier aus habe ich einen weiten Blick über die Wasserfläche. Keine Brücke. Irgendwo in der Ferne ertönt ein Schiffshorn. Es fällt mir ein. Ups! Krämer! Die Schelde ist ein Schifffahrtsweg. Ein Seeweg. Hier fahren ordentliche Pötte rum. Da gibt es keine Brücken. Keine! Depp! Aber der Stadtplan? Ach der … Das war der von Rotterdam. Da fahren wir morgen hin. Da liegen wir in einem kleinen Hafenbecken mitten in der Stadt. Da gibt es Brücken. Da. Nicht hier. Ich schaue auf die Uhr. Drei Kilometer zurück. Rolltreppen runter, 572 m laufen. Rolltreppen rauf, ca. zwei Kilometer zum Schiff. Wird knapp mit dem Galadinner. Besser ich rufe Moni an, dass ich mich verspäte. Mein Handy … liegt in der Kabine. Am Ladegerät. Ich wollte ja nur ne kleine Achter-Runde … Krämer! Ich schaue rüber zum Riesenrad. Bis gleich dann. Wenn ich das Temp etwas anziehe, könnte ich es vielleicht doch noch packen. Wenigstens zum Hauptgang. Ab dafür! Die drei Kilometer zum Tunnel ziehen sich. Dann endlich die Rolltreppen. Kein Mensch unterwegs. Ich bollere die Holzstufen hinunter. Die Dinger wurden in den dreißiger Jahren gebaut. Der werden doch wohl noch meine 88 Kilo aushalten.

Durch die Röhre wie ein geölter Blitz. Anerkennendes Lächeln einer jungen Frau mit Gazellenfigur. Schau mal einer den alten Spacken an! Mit hochrotem Kopf stürze ich mich in die wuselige Altstadt, trabe durch’s Rotlichtviertel, als wären vier Hafenluden hinter mir her, aber dies ist der kürzeste Weg. Ein paar Mädels pfeifen mir nach. DAS! Müsst ihr mir erst mal nachmachen! In zwei Jahren werd’ ich siebzig! Ha!

Da! Der Katzendeich! Meine Bellriva! Ich kriege auch eine belgische Siegerehrung: es beginnt zu schütten wie aus Eimern. Drinnen im Salon winken mir die Lambswool-Pullis zu. Einer hebt sein Bierglas. Prost auf den Idioten da draußen, hoffentlich kriegt der hier an Bord keinen Herzinfarkt. Rein ins Böötchen, Bordkarte abgegeben und nix wie in die Kabine. Klopf-Klopf. Göttergattin öffnet, Schick! Haare schön, Abend-Make-Up, Schmuck. Merkelmund: „Schön dass du auch noch kommst. Ich gehe schon mal vor.“ Küßchen? „Jetzt nicht, du stinkst.“ Sie ist ein Goldstück! Blick zur Uhr: in fünf Minuten gibt’s Vorspeise. 13,56 Kilometer stehen auf der Zwiebel. (Schulterklopf) Ach ja: zum zweiten Gang war ich dann da. War lecker. Moni hat’s auch geschmeckt. Küßchen gab’s auch. Alles gut! Tätäää! 

 

 

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Marathonnes Weihnachtsgeschichte

Veröffentlicht am 17.12.2017

Marathonnes Weihnachtsgeschichte

Hier ein Auszug aus meinem 2018 erscheinenden Buch "Die Marathonne", der in die Weihnachtszeit passt. Der Bericht wurde 2002 im Zuge meines Rennsteigtrainings geschrieben.

Ich wünsche allen Freunden dieser Seite und allen Läuferinnen und Läufern ein entspanntes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr voller Highlights und Bestzeiten. Eure Marathonne

2000 km bis nach Schmiedefeld Teil 2
Ruckediguu, Blut ist im Schuh...
Marathonnes (Alb)Traumschuh

Start: 04. Dezember! Ein lausig nasskalter Dienstag/Schwienstag. Ein historisches Datum. Der erste Lauf auf dem Weg nach Schmiedefeld. Eine Dorfrunde. (die Stadtväter mögen mir das Dorf verzeihen) An meinen Füßen niegelnagelneue Blau-gelbe Außenministerschuhe aus italienischer Laufschuhschmiede. Mein Kumpel Richard beäugt misstrauisch die zierlichen Schuhchen: „Taucht dat watt?“ Naja, wenn man das Wetter in Betracht zieht, tauchen die Treter wirklich. Spaß beiseite: die Latschen sind Supa! Ich schwebe wie auf Wolken. Federleichtes Equipment! Dabei noch nicht mal teuer, schlappe 149 Makk habe ich dafür hingeblättert. Extra ins 50 km entfernte Wiesloch gefahren. Dort gibt es einen ausgesprochenen Marathon-Shop mit selbstlaufendem Besitzer. Überhaupt, wenn die Marathonne Schuhe kauft, dann ist das schon ein Event für sich: Gemeinsam mit Richard schneie ich kurz vor 18 Uhr herein. Offizieller Ladenschluß ist zwar schon um 18:30 Uhr, aber es wird dann doch fast halb acht, bis die erschöpfte Verkäuferin hinter uns abschließen kann. Wir hinterlassen neben 820 Mark für vier Paar Laufschuhe, einen Berg von anprobierten Latschen, geleerten Schuhkartons und Einwickelpapier, eine einigermaßen beunruhigte Bevölkerung, nachdem etwa alle fünf Minuten einer von uns in ansonsten normaler Straßenkleidung einen Testlauf durch die Fußgängerzone des badischen Städtchens absolvierte. Richard hat sich mit drei neuen Fußschonern ausgerüstet, ich habe die vorher schon besungenen Italiener im Gepäck. Doch back to the run: die neuen Treter haben ihren ersten 12 km Test bestanden. Ein bisserl zwicken tut’s auf dem linken Zehenrücken gegen Ende der Veranstaltung, doch das sind wohl nur Anpassungssymptome. Vier Tage später müssen die Neuen wieder ran. Turnusmäßig wäre jetzt zwar der Trabuco-Trailer dran, aber der muss schmollend in der Ecke bleiben. Muss doch kucken, ob die neuen watt tauchen! Diesmal laufe ich alleine. Ein früher Feierabend verführt mich zu einem der in dieser Jahreszeit äußerst kostbaren Tageslichtläufe. Endlich wieder Wald! Die 12 km Runde wird um zwei Kilometer erweitert. Das linke Füßlein zwickt und zwackt ab km 10... Bestimmt zu fest geschnürt. Schnürung gelockert, weiter geht’s. Schließlich komme ich mit rotgescheuertem Zehenrücken zuhause an. Die Ursache des Übels: Die Abschlusslasche auf dem Fußrücken wird innen durch ein weiches Vlies gepolstert. Dieses rollt sich jedoch nach hinten und die Naht der Lasche gräbt sich bei jedem Schritt in die Zeige- und Mittelzehe. Ich klage meinem Coach mein Leid. Der empfiehlt mir gleich die Treter zurückzubringen. Doch ich greine den Blaugelben nach, zu sehr schätze ich den ansonsten sockenartigen Tragekomfort. Richard rät mir, die Dinger mit einer Blumenspritze zu durchfeuchten und massiv mit Zeitungspapier auszustopfen. Dann mindestens vier Tage ziehen lassen und „mal kucken...“ Das Ende vom Lied: 7 von 15 Kilometern mit komplett eingerollten Zehen gelaufen, daraus resultierende Hüftschmerzen und Wadenkater links... Also ab nach Wiesloch. Der Laufschuhspezialist hört sich meine Geschichte an, befummelt den Schuh und verspricht, ihn den Italienern an den Kopf zu werfen. Ich ziehe erleichtert von dannen, ein Paar schneeweiße Brooks Addiction4 unter dem Arm. Die beißen nicht und haben es mittlerweile auch schon bewiesen. Ja Freunde, so habe ich meine Rennsteigausrüstung schließlich doch noch komplettiert. Vier Laufeinheiten die Woche, vier Latschen. Watt mutt, datt mutt! Ein kurzer Überblick sei hier erlaubt: Der Star und Lieblingsschuh ist zweifellos der Asics Gel-Trabuco, ein richtiger Matschplatscher in Eklig-Beige und Schlachtschiff-Grau. Dann kommt mein geliebter, in Ehren ergrauter Saucony-Veteran, gefolgt von besagten Brooks und irgendeinem Cell von PUMA, der allerdings nur für die leichteren Einheiten benutzt wird. Ich laufe die Treter immer der Reihe nach, so dass jeder Schuh nur einmal in der Woche raus muss. Die Schuhgewerkschaft wird es mir danken. Haben die treuen Gefährten ausgedient, dürfen sie noch ein paar Monate fahrradfahren, oder zum Einkaufen oder in die Kneipe mitkommen. Haben sie mich schon durch ein Marathonziel getragen, werden sie beschriftet und an die Wand meines Arbeitszimmers gehängt. Lacht Ihr nur... 

Die ersten Wochen

Wenn ich diese Zeilen schreibe, dann bin ich bereits seit über drei Wochen im Grundlagentraining. Dies bedeutet vier mal die Woche ein langsamer Dauerlauf von 12 bis 16 km Länge. Lest und staunt: es ist mir tatsächlich gelungen! Nur ab und zu wurde ein Lauftag verschoben. Aber bei drei Ruhetagen in der Woche ist das locker möglich. Ausgefallen ist kein einziger. Da Richards langsame Läufe etwas schneller als meine sind, (6:00min/km) musste ich zu Beginn etwas an mir arbeiten. Richard bot mir zwar an, langsamer zu laufen, aber ich will dorthin, wo er ist. So schnell ist ein 6er Schnitt nun auch wieder nicht. Nach zwei Wochen hatte sich meine durchschnittliche Herzfrequenz von keuchenden 156 auf angenehme 144 eingependelt. Der Erholungswert betrug wieder mindestens 40. (dieser Wert entsteht, wenn man misst, um wie viel Schläge der Puls sich nach Ende eines Trainingslaufes verringert. In meinem Fall messe ich über einen Zeitraum von 100 Sekunden.) Den Herzfrequenzmesser trage ich zur Zeit eher selten, er würde sich bei stets gleichen Läufen auch nur langweilen. Anscheinend bin ich in den Wochen und Monaten vor dem Entschluss, Rennsteig zu laufen doch nicht so regelmäßig gelaufen, wie ich das geglaubt habe. Das Fehlen eines konkreten Zieles lässt das Laufen doch sehr rasch zu einer variablen und vor allem zu einer verschiebbaren Größe im Terminplan verkommen. Denn schon nach der ersten Woche bemerkte ich an den Reaktionen meines Körpers, dass sich durch regelmäßiges Training doch etwas tat: der täglich gemessene Körperfettgehalt hielt sich mittlerweile von der bösen 19 fern und schwankt nur noch zwischen 17,4 und 18,6%, das Gewicht tastet sich langsam in Richtung 76 kg (mit allerdings größeren Schwankungen) und das Allgemeinbefinden ist deutlich besser geworden. Pünktlich zum Beginn der ersten Trainingswoche hat sich glücklicherweise eine hartnäckige Erkältung mit Halsentzündung, Husten und Triefnase endgültig verabschiedet, die mir für fast zwei Wochen das Laufen vermieste. Vielleicht war wegen dieser Laufpause auch der Einstieg etwas hart? Wir laufen bis Ende Januar nur reine Flachetappen, ab und an mit kleinen Sahnehäubchen in Form von Eisenbahnbrücken und Straßenüberführungen geschmückt. Der Berg ruft. Der Melibokus, unser Hausberg, schaut bei klarem Wetter grinsend über den Riedforst herüber. Er muss warten. Ab Februar werden wir ihn wieder flachtreten. Dann beginnt das eigentliche Rennsteigtraining mitsamt Intervalleinheiten, Bergläufen, Tempotests und Schwellenläufen. (Halb so wild, wir Ultraläufer gehen alles etwas gediegener an, als die Zehn-Kilometer-Brenner) Habt Ihr das gelesen? „Wir“ Ultraläufer hat der geschrieben!! Verzeihung liebe Leserinnen und Leser, ob ich jemals ein Ultraläufer sein werde, könnt Ihr in der Juniausgabe nachlesen. (Aber dann!!)

Time-Mänätschment

So ein Grundlagenlauf über 12-16 Kilometer dauert 75 bis 100 Minuten. Mit Umziehen, Kumpelwarten, abschließendem Dehnen und Duschen gehen da schon mal über zwei Stunden ins Land. Na klar, höre ich da schon einige sagen, der Krämer hat ja auch Zeit. Ganzen Tag joggen und abends mal ein paar Zeilen in den Rechenknecht hacken. Ganz falsch! Der Krämer hat noch einen sogenannten „anständigen“ Beruf. (Die Lichthuper mögen mir das „anständig“ verzeihen) Der Krämer fährt Lastwagen im Stückgutverkehr von 6:30 bis 16:00 Uhr, zwei- bis dreimal in der Woche spiele ich von 4:30 Uhr bis 6:30 Uhr Sesselpupser im Dispositionsbüro. Darüber hinaus schreibe ich Kinder- und Jugendbücher, tingle als Vorleseonkel durch Buchläden und Schulen, trage Gedichte vor und arbeite zur Zeit an einem neuen Heinz-Erhardt-Programm. Neuerdings habe ich meine alte Liebe zur Fotografie wiederentdeckt, arbeite an einer Ausstellung und habe mit Gitarrenunterricht angefangen. OK ok, das Bücherschreiben hat im Moment Pause, aber immerhin ist da noch eine Familie, bestehend aus der besten Ehefrau von allen (Verzeihung Herr Kishon), der besten Tochter und dem besten Sohn von allen. Die drei darf ich auf keinen Fall vernachlässigen!
Wann läufst du dann? Nachts um drei? Mitnichten... Da meine Familie mobil ist, ist sie natürlicherweise fast niemals zuhause, wenn ich von der Arbeit komme. „Schaffdasch“ (Mundartlich für Arbeitstasche) in die Ecke, Latzhose mit der Tight getauscht und ab in die Botanik. Wenn ich dann zurückkomme, bleibt mir gerade noch Zeit zum Duschen, bevor das Ahmbrot auf dem Tisch steht. Geschrieben, Gitarrisiert und Gedichtet wird dann am Abend, wenn die Gattin ergriffen „Flammende Herzen“, „Den großen TV-Roman“ oder irgendwas mit Richard Gere verfolgt. Will mich tatsächlich einmal etwas vom Laufen abhalten, dann greife ich zu meiner Geheimwaffe: alte Gnadenbrot-Kayanos, verschlissene Laufklamotten und ein Handtuch lagern ständig griffbereit unter dem Beifahrersitz meines Lasters. Der Job eines Stückgutfahrers erlaubt fast täglich das Abzwacken von einer oder zwei Stunden für sportliche Zwecke. (Nein, mein Chef ist kein RW-Abonnent) Genug davon, über das Thema „Fremdlaufen“ ist ein eigener Artikel geplant. Also Leutinnen und Leute, Ihr seht, es ist überall noch ein Plätzchen frei für eine schnuckelige Laufeinheit. Soviel zum Thema Zeit. 

Nikolausi und der Drill-Sergeant

Als ich etwas weiter oben Richard Gere erwähnte, da fiel er mir wieder ein, der knochenharte Drill-Sergeant aus dem Film „Ein Offizier und Gentleman“, den Louis Gossett Jr. so brillant verkörperte. Was der mit der Marathonne zu tun hat? Sehr viel! Er wohnt in meinem Wohnzimmerschrank!  
Er sorgt dafür, dass ich mich nicht an den Nikolausis, Nougatkugeln und allen möglichen Lila Versuchungen meiner Kinder vergehe. Motivation ist alles. Die geplante Teilnahme am Rennsteiglauf ist eine großartige Motivation. Aber noch großartiger ist der Geschmack von langsam auf der Zunge zergehender Schokolade... hmmmmmmm! Aber das ist Gift für mich! Deshalb habe ich den Drill-Sergeant eingestellt. Bisher führte mich mein Schritt fast automatisch gleich nach dem morgendlichen Aufstehen ins Wohnzimmer. Dort, hinter der mittleren Tür der 72er Erfurter Stollenschrankwand, lagern all die süßen Versuchungen, all die leckeren Dinge, die blasierte Menschen in weißen Anzügen auf tropischen Inseln naschen, Thomas Gottschalks beste Freunde, quadratisch praktisch fette Verführer und die längsten Cholesterinbomben der Welt... Zur Weihnachtszeit aufs beste ergänzt durch Nikolausis in allen Farben und Geschlechtern. Schon diese sinnliche Beschreibung enttarnt mich: ich bin ein Schokojunkie! Einmal angebrochen wird jede Tafel, egal ob 100 oder 400gr gnadenlos alle gemacht, kotze es, was es wolle! Bis zu jenem denkwürdigen Tag, als der Drill-Sergeant kam...
Wie an jedem Morgen, so öffnete ich auch diesmal besagte Schranktür. Gemeinerweise lässt gerade diese (und nur diese!) Tür ein markantes Knacken hören, welches meine Frau sogar im Tiefschlaf registriert. Frauen können das; alle Ehemänner werden mir zustimmen! Ich öffnete also diese Tür und blickte in ein markantes, dunkelhäutiges, äußerst wütendes Gesicht... Es gehörte einem Kerl, der einen idiotischen Hut mit flacher Krempe trug und augenblicklich mit der Stimme eines Gigantosaurus zu brüllen begann: „Krämer!!!!!!!!!!!!!!!!! Glauben sie wirklich, dass Sie das nötig haben!!!!!!!!!!!!!!!!“ Ich brüllte zurück: „Sör, Nein Sör, natürlich nicht Sör!!!!“
Das Wunder geschah: ich schloss die Tür, atmete tief durch und holte mir eine Apfelsine aus dem Obstkorb in der Küche(!) „Das erste mal, das erste mal im Leben...“ sang Peter Maffay im Radio und ich gab ihm recht. Das erste mal im Leben, dass ich zur Arbeit fuhr ohne mindestens 1200 Kalorien an Süßigkeiten im Magen zu haben. So einer ist ja neurotisch werdet Ihr denken. Aber das macht nichts. Wir Läuferinnen und Läufer werden oft genug als irgendwie nicht ganz dicht hingestellt. Darum lasst mir doch meinen schwarzen Freund, den Drill-Sergeant und meinen Kindern ihre Nikolausis...

Das Fet(s)tessen

Ich habe mir vorgenommen über Weihnachten und Neujahr mein Gewicht unter die magische 75er Marke zu senken. Heute ist bereits der 26. 12. und es fehlen mir immer noch 2000 gr. Naja, in einer Woche kommt der €uro, dann sind es nur noch 1000. Habe ich da was falsch verstanden? Doch wer meine Verwandtschaft kennt, wird alleine das Halten des Gewichtes als gewaltige Leistung honorieren. Ich darf vorstellen:
Meine Frau: acht Jahre jünger als ich, Mitglied der Disco-Stayin-Alive-Generation und trotzdem eine begnadete Köchin. Deftige Hausmannskost, Bratkartoffeln wie bei Oma, Nudelsalat vom feinsten und Kuchen und Torten aus dem Schlaraffenland. Dummerweise (Glücklicherweise) ist sie gertenschlank und eine von diesen Frauen, die einfach alles essen können ohne zuzunehmen. (Seufz!!!!!!!)
Meine Eltern:
Fanatisierte Anhänger von Schwartenmagen, Blutwurst, Metzelsuppe, Käsesahnetorte, Eisbein, Schweinsbraten und sämtlicher Saucen aus Maggis Kochstudio.
Meine Schwiegereltern:
Der Stiefschwiegervater ist gelernter Metzger. Die Größe seiner Fleischportionen entnimmt er dem Fachbuch „Kochen mit Obelix“. Die Schwiegermama ist der reinkarnierte Engel der Hungernden. Sie übt massive physische und psychische Gewalt gegenüber allen Gästen aus, die es wagen, wegen Übersättigung, Magendurchbruch oder anderer Lappalien, eine angebotene Speise abzulehnen. Wobei auch hier die Kochkunst hervorragend und das Essen fantastisch ist.
Bis vor kurzem kredenzte auch noch eine wundervolle Bilderbuch-Oma ihren herrlich verbatzten Rührkuchen. Das Backen hat sie leider aus Altersgründen sein lassen, aber ihre Rezepte beflügeln nach wie vor Tochter und Enkelin...
Ihr seht, zurückhaltende, gesunde Ernährung ist in dieser Familie ein Kampf gegen Windmühlenflügel.
Trotzdem ist es mir gelungen, an den alljährlichen Fettessen und Weihnachtskaffeetafeln teilzunehmen und nicht zuzunehmen! Das Geheimnis: Time-Mänätschment! An Feiertagen gibt es vor dem Lauf ein karges Marathonfrühstück: Zwei Scheiben Toastbrot mit Marmelade, ein Apfel oder eine Banane, eine Tasse schwarzen Kaffee und ein halber Liter Apfelsaftschorle. Der Lauf endet zur Mittagessenszeit. Das Mittagessen fällt aus, dafür darf ich dann bei Schwiegermama auch Kuchen mampfen! Ist Feiertag kein Lauftag, dann wird einfach so lange gepennt, bis es Zeit ist zum Nachmittagskaffee. Ist man zu opulentem Mittagsmahl eingeladen, so wird das Mittagsfettessen mit einem Nüchternlauf vor- und einem Obst und Gemüseabendbrot nachbereitet. Keiner ist beleidigt und meine sehr pummelige Verwandtschaft neidisch auf meine Figur.

Zwischen den Jahren

Ich habe ihn so richtig lieb gewonnen, diesen herrlich unlogischen und doch so trefflichen Ausdruck für die paar Tage zwischen Weihnachten und Neujahr. Mein erster Lauf in dieser merkwürdigen Zeit fand am Freitag, dem 28.12.2001 statt: Feierabend schon kurz nach 14 Uhr, Temperatur satte tropische 8°C. Her mit den weihnachtsgeschenkten 7/8 Tights! Fort mit Handschuhen, Mützen und Stirnbändern, raus in den Vorfrühling! Die Krämers wohnen am Stadtrand. Zehn Schritte bis zum freien Feld. Aber was heißt denn da freies Feld? Einer Karawane gleich ziehen sie hintereinander her: Hundehalter- und innen, die alles tun, bloß nicht ihre Hunde halten. Man könnte fast glauben, es sei gesetzlich verboten, ohne Hund aus dem Haus zu gehen. Pinscher und Terrier, Kläffer und Knurrer, Kampfhamster und Ponygroße Monströsitäten geben sich hier ein Stelldichein. Nix wie ab in den Wald. Da sind die Minenleger uns Läufer- und innen wenigstens gewohnt. Zum vielbekläfften Thema Hund muss ich allerdings vorausschicken, dass ich während meiner jetzt fast vierjährigen Laufzeit noch nie Probleme mit den Stinkern hatte. (Verzeihung, aber die lieben Vierbeiner riechen nun mal nicht nach Chanel Nr. 5) bis heute... bis der Massenmörder kam... Ich nenne ihn einfach mal so, weil Wesensart, Gesichtsausdruck und andere Ausdrücke mich einfach dazu verleiteten. Doch bleiben wir wertfrei (!) Besagter Mitmensch begegnete mir auf der ausgelatschten Laufstrecke meines Heimatwaldes: die Hände (blutbeschmiert?) tief in den Jackentaschen vergraben, das Kinn fast auf dem Boden schleifend, die Augen verschlagen hinter zusammengekniffenen Lidern lauernd, die breiten Schultern (sicher langgeübt) gefährlich rollend, behende umsprungen von einem verspielten Welpen, der irgendwann einmal etwas gefährlich Großes sein würde. Immerhin war das Jungtier schon jetzt etwa settergroß. Ich schenkte dem Monster, äh Mitmenschen, ein strahlendes Hundeversteherlächeln. Wort- gruß- und ausdruckslos schlurfte der Golem an mir vorüber. Der Tänzelwelpe tänzelte hinterher und von dannen. Dachte ich... Zehn Laufschritte später: hastiges Pfotengetrappel hinter mir, röchelndes Knurren und Fletschen in Richtung meiner rechten Wade. Ich habe keine Angst vor Hunden, ich mag sie nur nicht besonders, aber noch weniger mag ich, wenn breitschultrige Frankensteine seelenruhig weiterschlurfen, während ihr Schnuckiputz Läufer zerfleischt. Ich fuhr erschrocken herum, brülle den halbstarken Möchtegernbeißer an und sehe nur noch panisch flüchtende Hinterläufe. Das Herrchen reagiert besonnen und erwartungsgemäß, brüllt wüste Beschimpfungen, droht mir Prügel und schlimmeres an und nähert sich drohend und mit schwingenden Fäusten. (sie sind gar nicht blutbeschmiert) Ich prolete zuerst launig zurück, entschließe mich dann jedoch meinen Lauf fortzusetzen. Der LadL wird zum verbissenen „Wenn-dann-hätte-ich-dem-aber-Lauf“ bis mich bei Kilometer 10 eine ältere Dame im feinen Pelz wieder zum toleranten Hundelebenlasser bekehrt: an der modischen 400m Leine läuft ein Hausmacher Schwartenmagen mit vier Beinen und einem Strickleibchen um die Pelle. Ich ringe all die schwarzen Gedanken nieder, die mich seit meiner jüngsten Hundebegegnung im Griff hatten, und grüße die Frau übertrieben freundlich. Sie grüßt herzlich und fröhlich zurück, der Schwartenmagen würdigt mich keines Blickes, passt sein Lauftempo jedoch augenblicklich dem meinigen an. Ich fass es nicht: ich sprech die Wurst an: „He Alter komm, lauf mit mir, dann bist du schneller zu Hause“ die Frau lacht, fällt tatsächlich in jene merkwürdige Lauftechnik, bei der nur die Unterschenkel bewegt werden, und erklärt mir japsend, dass der Schwartenmagen chronische Bronchitis, wunde Pfoten und ein schwaches Herz habe, und dass sie gerne öfter mit ihm joggen würde, aber die Hüfte... Ich nehme das Gas weg, mache eine Gehpause (ist ja jetzt eh im Kommen) und unterhalte mich ein paar Minuten mit der alten Dame. Ich kann nicht anders, ich fand sie einfach sympathisch. Kultiviert, geistreich, einfach nett. Sogar das Strickwams für den Schwartenmagen habe ich ihr verziehen. Der Abschied war herzlich, der Wursthund schenkte mir ein sabberndes Lächeln und aus dem Hundehasser wurde wunderbarerweise wieder eine ganz normale Marathonne...
Fazit: es gibt Hunderte von Hunderassen (deshalb heißen sie auch Hunde), aber nur zwei Arten von Hundehaltern: Pappnasen und nette Leute. Meine Erfahrung zeigt mir, dass die Pappnasen wohl doch eher eine Minderheit darstellen. Ich kann sie immer noch nicht ganz leiden, die ollen Schwanzwedler, aber ein Schwartenmagen im Strickkleidchen und eine liebenswerte ältere Dame haben mir diesen Lauf gerettet. So ziehe ich denn meine Bahn in Richtung Heimat, weiche geschickt den zahllosen Häufchen aus (gut für die Koordination) und überhole die würdevolle Hundskarawane, die von Horizont zu Horizont zieht. Wuff.
Das Frohlocken der Läufer über das warme Wetter wurde erhört: am Samstag fiel die Temperatur in den Keller, es schneite den ganzen Tag und am Sonntagmorgen musste man endlich nicht auf die zahllosen Hundehaufen achten. Sie befanden sich nämlich unter einer 25cm dicken Schnee- und Eisdecke. Die Sonne schien und verzauberte die oberrheinische Tiefebene in einen Allgäuer Wintertraum. Rein in die Trailschuhe und raus in die knackig frische Luft. Die 800m bis zum Treffpunkt ließen bereits die Waden glühen. Jetzt weiß ich endlich, was ein Kniehebelauf ist. Knartz, Knartz, Stapf, Stapf, so ging es in Richtung Wald. Bereits nach zehn Minuten verringerten Richard und ich in seltener Einmütigkeit das Tagespensum. Anstatt der geplanten 20 sollten es nur 14 km sein. Es wurde ein optisch wunderschöner blau-weiß schimmernder Tiefschneelauf. Jedoch die Wadeln und überhaupt die gesamte Beinmuskulatur mussten schuften wie bei einem kapitalen Berglauf. Als die sechs Kilometer Laufstrecke nach rechts abzweigte, bewegten wir uns durch jungfräulichen Pulverschnee. Alles Fußföhner, die hier schon abbiegen. (Bitte nicht ernst nehmen!!) Ich machte das Kamel... Da ich die größten Latschen anhatte, (11 ½ ) durfte ich den Schneepflug markieren. Meine schlanken Beine und die extra breit gebauten Trailtreter, weckten bei meiner Mitläuferin Anni Assoziationen an ein Kamel (man nennt eine Unterart davon auch Trampeltier) So charmante Freunde findet man nur im Lampertheimer Wald... Vereinzelt blockierten unter der Schneelast zusammengebrochene Bäume den Weg, so dass wir mehrmals vom rechten Pfad weichen mussten. Bei einem Fotostop musste die fesche Anni unbedingt in Siegerpose auf dem Baumstamm posieren was der, der über alles wacht, auch gleich mit einem Freiflug in den Schnee bestrafte. Es wurde trotz aller Anstrengung ein lustiger und lockerer Lauf, der jedoch gewaltig in die „Knochen“ ging.
Mir schwant, dass ich bereits vor dem Neujahrsmorgen einen gewaltigen Kater haben werde: Muskelkater...
Am Montag wird der Trainingsplan nicht eingehalten: Montag ist Stallone! Sylvester meine ich natürlich. Da gibt es in meiner Heimatstadt die Tradition des Silvesterlaufes. Vor dem London Pub, der örtlichen Laufkneipe, fällt der Startschuss in Form einer Silvesterrakete und ein buntes Völkchen trottet rund um Lampertheim. Der Kurs ist ca. neun Kilometer lang und verfügt sogar über eine richtige Verpflegungsstelle bei Kilometer vier. Dort gibt es alles, was ausgemergelte, erschöpfte und ausgebrannte Läufer wieder munter macht: Sekt, Bier, Glühwein, eine gräuliche Spezialität namens „Hängebauchschwein“ (Schnaps mit Sardelle am Spieß) und diverse Schnäpse. Derart gestärkt, schafft auch noch der letzte Feierabend-Kenianer die zweite Hälfte. Dann ist gemütliches Beisammensein angesagt. Nebenbei ist dies für manch Eine oder Einen auch ein gutes Training für die kommende Neujahrsfeier.
So! Noch vier Wochen Grundlagentraining, dann geht es richtig los! Dann wird der Marathonne das Lästern schon vergehen.

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Die Marathonne als Buch!

Veröffentlicht am 07.11.2017
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